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Anleitung für zukünftige Debian-Maintainer
Kapitel 3 - Erste Schritte


3.1 Ein Programm wählen

Sie haben sich wahrscheinlich schon ein Paket ausgesucht, das Sie bauen wollen. Zuerst sollten Sie überprüfen, ob das Paket nicht bereits in der Distribution existiert. Wenn Sie eine `stable'-Distribution verwenden, sollten Sie am besten über Paket-Such-Seite nach dem Paket suchen. [A.d.Ü.: Oder von der `unstable'-Distribution die Contents-Datei holen und nach bekannten Dateinamen durch'grep'en.] Benutzen Sie die aktuelle `unstable'-Distribution, versuchen Sie es mit diesen Kommandos:

     dpkg -s Programm
     dpkg -l '*Programm*'

Wenn es das Paket schon gibt, dann installieren Sie es! :-) Wenn es aufgegeben wurde, d.h. wenn als Maintainer "Debian QA Group" eingesetzt ist, dann können Sie es übernehmen. Schauen Sie auf der Liste der abgegebenen Pakete und der Liste der zu adoptierenden Pakete nach, welche Pakete dafür zur Verfügung stehen.

Wenn Sie ein Paket übernehmen möchten, laden Sie sich das Quell-Paket herunter (z.B. mit `apt-get source Paketname`) und nehmen Sie es unter die Lupe. Leider enthält dieses Dokument keine umfassende Anleitung zum Übernehmen von Paketen. Der Vorteil ist, dass schon jemand das Paket für Sie vorbereitet hat und Sie keine Schwierigkeiten haben sollten, herauszufinden, wie das Paket funktioniert. Doch lesen Sie weiter, denn viele der folgenden Ratschläge werden auch für Sie nützlich sein.

Wenn das Paket neu ist und Sie es gern in Debian integrieren möchten, gehen Sie wie folgt vor:

Natürlich sind die aufgeführten Punkte eher Sicherheitsmaßnahmen und sollten Sie vor tobenden Benutzern schützen, falls ihr setuid-Daemon irgendetwas Schlimmes anstellt. Wenn Sie mehr Erfahrungen im Paket-Erstellen gesammelt haben, können Sie sich auch an solchen Paketen versuchen, aber selbst erfahrene Debian-Entwickler fragen schon mal in der debian-mentors-Mailingliste, wenn sie irgendwo Zweifel haben. Und die Leute dort helfen gern.

Für weitere Fragen konsultieren Sie die "Developer's Reference".


3.2 Programm holen und ausprobieren

Als Erstes müssen Sie das Original-Paket des Programms finden und herunterladen. Ich nehme an, dass Sie bereits die Quellcode-Dateien von der Homepage des Autors gezogen haben. Quellen der freien Linux-Programme kommen i.d.R. im tar/gzip-Format, mit der Erweiterung .tar.gz, und enthalten üblicherweise ein Unterverzeichnis, genannt nach dem PROGRAMM-VERSION-Schema, das alle Quellcode-Dateien enthält. Kommt der Quellcode in einem anderen Archivtyp daher (z.B. wenn der Dateiname auf ".Z" oder ".zip" endet), entpacken Sie es mit den entsprechenden Tools oder fragen Sie in der debian-menthors Mailingliste, wie man es richtig entpackt (Tipp: `file archive.extension` versuchen.)

Als Beispiel dient hier das Programm namens `gentoo', ein X GTK+-Dateimanager. Das Programm ist bereits verpackt, und wurde wesentlich verändert seit dieser Text geschrieben wurde.

Erstellen Sie ein Verzeichnis in Ihrem Heimverzeichnis, z.B. 'debian' oder 'deb' oder irgendwas anderes, was für Sie geeignet erscheint, etwa `~/gentoo/' in diesem Fall. Kopieren Sie das heruntergeladene Archiv dorthin, und entpacken Sie es, z.B. mit `tar zxvf gentoo-0.9.12.tar.gz`. Vergewissern Sie sich, dass es keine Fehler beim Entpacken gab, nicht mal sog. `irrelevante' Fehler, weil es auf anderen Systemen Probleme geben kann, wenn andere Entpacker bestimmte Anomalien nicht ignorieren.

Jetzt haben Sie ein neues Unterverzeichnis, 'gentoo-0.9.12'. Wechseln Sie dorthin und lesen Sie die mitgelieferte Dokumentation komplett durch. Meist sind die Dateien mit Namen nach dem Schema `README*', `INSTALL*', `*.lsm' oder `*.html' benannt. Sie müssen eine Anleitung finden, wie man das Programm richtig übersetzt und installiert (meistens wird von einer Installation in /usr/local/bin/ ausgegangen, aber das wollen wir nicht. Mehr dazu später in Installation in ein Unterverzeichnis, Abschnitt 4.1).

Der Prozess ist von Programm zu Programm unterschiedlich, aber viele moderne Programme kommen mit einem `configure'-Skript, das den Quellcode an die Systemumgebung anpasst. Nach dem erfolgreichen Konfigurieren mit `./configure` können die Programme mit `make` kompiliert werden. Einige unterstützen auch `make check`, das zusätzliche Selbsttests durchführt. Die Installation in die Zielverzeichnisse geschieht dann mit `make install`.

Versuchen Sie nun, das Programm zu kompilieren und stellen Sie sicher, dass es einwandfrei funktioniert und nichts anderes während der Installation oder der Ausführung kaputt macht.

Ebenfalls kann man `make clean` (oder besser `make dist-clean`) ausführen, um im aktuellen Arbeitsverzeichnis aufzuräumen. Manchmal gibt es sogar ein `make uninstall`, womit man alle installierten Dateien löschen kann.


3.3 Name und Version des Paketes

Sie sollten mit einem aufgeräumten oder besser frisch ausgepackten Quellcode-Verzeichnis anfangen.

Damit alles richtig funktioniert, sollten Sie den ursprünglichen Namen in Kleinbuchstaben umwandeln. Ebenfalls sollten Sie den Namen zu <Paketname>-<Version> verändern.

Wenn der Programmname aus mehr als einem Wort besteht, sollten Sie statt dessen ein Wort oder eine Abkürzung verwenden. Zum Beispiel könnte man "John's little editor for X" in johnledx, oder jle4x umbenennen, oder wie auch immer, solange die Länge in einem vernünftigen Rahmen von etwa 20 Zeichen bleibt.

Überprüfen Sie auch die exakte Versionsnummer des Programms, die als Versionsnummer des Pakets verwendet wird. Wenn dieses Stück Software keine Nummerierung nach dem Schema X.Y.Z, sondern nach dem Datum verwendet, können Sie dieses Datum mit davorstehenden "0.0" verwenden ("0.0" für den Fall, das sich der `Upstream Autor' dazu entschließt, eine zukünftige Version mit 1.0 zu nummerieren). In diesem Fall bekommt ein Abzug vom 19. Dezember 1998 eine Versionsnummer wie 0.0.19981219.

Einige Programme haben gar keine Versionsnummerierung, in diesem Fall sollten Sie den `Upstream Maintainer' kontaktieren und eine eindeutige Methode ausarbeiten.


3.4 Die erste "Debianisierung"

Wechseln Sie in das Quell-Verzeichnis des Programms und führen Sie folgendes aus:

     dh_make -e your.maintainer@address -f ../gentoo-0.9.12.tar.gz

Natürlich ersetzen Sie "your.maintainer@address" durch ihre eigene E-Mail-Adresse für den Eintrag in `changelog' sowie andere Dateien, ebenfalls verwenden Sie den Dateinamen ihres Quellcode-Archivs. (Weitere Details in dh_make(1)).

Es werden einige Informationen angezeigt und Sie werden gefragt, welcher Art das Paket sein wird. Gentoo ist ein "single binary package" - es wird eine Binärdatei und ein .deb-Paket erstellt, also wählen wir die erste Option mit der `s'-Taste, überprüfen nochmal die Informationen und bestätigen mit <enter>.

Um es noch einmal deutlich zu machen, einem beginnenden Maintainer wird davon abgeraten, mehrere Binär-Pakete (`multiple binary packages') oder Bibliotheken (`libraries') zu erstellen. Es ist nicht zu schwer, erfordert aber etwas mehr Wissen. Deswegen gehen wir hier nicht näher darauf ein.

Beachten Sie, dass dh_make nur ein Mal ausgeführt wird und bei späteren Aufrufen nicht sauber funktionieren wird, wenn es im "debianisierten" Verzeichnis ausgeführt wird. Das bedeutet auch, dass Sie bei späteren Updates mit neueren Programm-Versionen anders vorgehen müssen, mehr dazu später in Weiterentwicklung des Pakets, Kapitel 10.


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Anleitung für zukünftige Debian-Maintainer

Version 1.2, 06. April 2002.
Josip Rodin joy-mg@debian.org
Übersetzer: Erik Schanze mail@erikschanze.de
Übersetzer: Eduard Bloch edi@ka.linux.de